Test: Osprey Farpoint 40 vs. Osprey Porter 46 vs. Cabin Zero vs. Tatonka Flight Barrel

Seit ich mich mit Minimalismus beschäftige, hält er in allen meinen Lebenslagen Einzug. Deshalb habe ich mich auch bei meiner 1-monatigen Reise nach Südamerika im Frühjahr 2016 das erste Mal dazu entschlossen, nur mit Handgepäck zu reisen. Ich war absolut begeistert, wie viel freier und entspannter ich mich gefühlt habe, ich kann es mir nicht mehr anders vorstellen! 🙂 Auf besagter Reise habe ich den Tatonka Flight Barrel (*) verwendet. „Damals“ kannte ich keine bessere Möglichkeit. Heute bin ich ein bisschen informierter und vergleiche deshalb mehrere Handgepäckrucksäcke miteinander, um einen zu finden, der als Handgepäck im Flugzeug (bei den meisten Airlines) zugelassen, leicht zu bepacken ist und ein sehr komfortables Tragesystem hat, mit dem ich auch mal länger unterwegs sein kann, ohne dass ich Schmerzen bekomme. Ich vergleiche also den Tatonka Flight Barrel (*) mit dem Cabin Zero (*) Military 44 L, den ich als Rezensionsexemplar zugesandt bekommen habe, dem Osprey Farpoint 40 (*) , den ich bei Amazon gekauft habe, und dem Osprey Porter 46 (*), den ich bei SportScheck bestellt habe.


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Übersicht

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Preis-Leistungsverhältnis:

Gutes Gepäck punktet mit guter Verarbeitung, Qualität auch bei einzelnen Komponenten, sowie Funktionalität und idealerweise Vielfältigkeit. Saubere Nähte, stabile, leichtgängige Reißverschlüsse und die Verwendung von belastbarem Material sind wünschenswert. Im Vergleich mit anderen Rucksäcken sollte der Preis der Qualität und der Funktionalität angemessen sein.
Der Tatonka (*) erhält in dieser Kategorie 3 von 5 Punkten. Die ausgewählten Materialien sowie die Verarbeitung wirken sehr solide, jedoch fehlt der Funktionalität in meinen Augen die nötige Ausgereiftheit. Die Schultergurte sind unterdurchschnittlich und für das Volumen des Rucksacks auch unterdimensioniert. Das Fehlen diverser Riemen, wie Hüftgurt und Kompressionsriemen (außen), fällt unangenehm auf. Neben dem großen, gut zugänglichen Hauptfach befinden sich nur zwei flache Fächer an der Klappe, sowohl innen als auch außen. Es sind keine weiteren Fächer vorhanden. Für diese eher spartanische Ausführung ist der Preis trotz hochwertig wirkender Materialien nicht zu verachten.
Der Cabin Zero (*) ist ebenfalls eher schlicht aufgebaut mit einem Hauptfach und zwei zusätzlichen flachen Fächern im Inneren. Die verwendeten Materialien sowie der Reißverschluss machen einen robusten Eindruck. Leider fallen die Nähte, besonders auf der Vorderseite, negativ auf, da sie sehr unsauber verarbeitet sind. Die Schultergurte sind gut gepolstert und der Brustgurt ist sehr flexibel höhenverstellbar. Der Preis liegt mit aktuell 73 € unter dem des Tatonka (90€) – der Cabin Zero erhält somit 4 von 5 Punkten in dieser Kategorie.
Beide Osprey-Modelle trumpfen mit herausragender Qualität und Ausführung auf. Die verwendeten Materialien und die Nähte machen einen stabilen und verlässlichen Eindruck. Beide Modelle haben ihren eigenen Aufbau und glänzen mit mehreren Fächern und Taschen, die zum Teil auch gepolstert sind. Beide wirken sehr hochwertig und langlebig. Der Farpoint trumpft mit einem ziemlich gut durchdachten Konzept auf, deshalb erhält er 5 von 5 Punkten in dieser Kategorie; der Porter 46 erhält nur 4 von 5 Punkten aufgrund des „globigen“ Aufbaus.

Volumen und Gewicht:

Das größte Volumen weißt der Osprey Porter 46 mit 46 Litern auf, kurz dahinter landet der Cabin Zero Military (*) mit 44 Litern, welcher allerdings mit 0,95 kg gut 30 % leichter ist als der Osprey Porter 46 (*) (1,5 kg).
Das geringste Volumen hat der Tatonka Flight Barrel mit 35 Litern – gleichzeitig passt er sich sehr gut den vorgeschriebenen Handgepäckmaßen an und man wird so gut wie keine Airline finden, für die der Tatonka nicht als Handgepäck zugelassen ist. Sein Gewicht liegt mit 1,2 kg im unteren Bereich und wird nur vom Cabin Zero Military unterboten.
Sowohl das Volumen, als auch das Gewicht des Osprey Farpoint 40 (*) sind im mittleren Bereich mit 38 Litern (Größe M/L hat 40 Liter) und 1,4 kg.
Nach dem Gebrauch lassen sich die Rucksäcke unterschiedlich gut verstauen. Der Cabin Zero Military 44 lässt sich am flachsten zusammen falten und benötigt kaum Platz. Der Tatonka Flight Barrel sowie der Osprey Farpoint 40 lassen sich einigermaßen gut und flach verstauen. Der Osprey Porter 46 nimmt beim Verstauen mit Abstand den meisten Platz ein.


Hier findest du das Video zum Test. Unten gehts weiter mit dem Text.


 

Fächer-Aufteilung:

Entscheidend für eine gute Bewertung in dieser Kategorie ist das Vorhandensein abgetrennter Kompartimente verschiedener Größe, deren Zugänglichkeit, und Extras wie gepolstertes Laptopfach und Flaschennetz.
Der Tatonka erhält in dieser Kategorie 2 von 5 Punkten. Das große Hauptfach ist sehr gut zugänglich, das Innenfach ist für flache Inhalte gut geeignet, das Außenfach bietet schnellen Zugriff auf z.B. Reisedokumente. Abzug gibt es für das Fehlen von Flaschennetz und Laptopfach.
Der Cabin Zero Military (*) erhält in dieser Kategorie nur 3 von 5 Punkten – aber auch nur, weil er mit wesentlich komplexeren Rucksäcken verglichen wird. Der Cabin Zero hat ein großes Hauptfach, das nur zu 90 % zu öffnen ist, was beim Packen ohne Packing Cubes eventuell ein Hindernis sein kann. Im Innenbereich befindet sich eine kleine, flache Tasche mit Reißverschluss sowie ein großes, flaches Fach mit Gummizug an der Rückwand. Mir persönlich fällt keine geeignete Verwendung des letzteren ein, denn auch ein Laptop wäre hier nicht ausreichend geschützt. Zusätzlich gibt es ein aufgesetztes flaches Fach von außen. Es sind keine Flaschennetze vorhanden.
Beide Osprey-Modelle erhalten in dieser Kategorie 4 von 5 Punkten. Der Osprey Farpoint hat ein großes und mehrere kleine Fächer, die alle gut zugänglich und gleichzeitig vor Regen und fremden Händen geschützt sind. Er hat zwar zwei Netze im Außenbereich, die für Flaschen geeignet wären, leider kollidieren diese jedoch mit dem unteren Kompressionsriemen und sind somit nicht voll funktionsfähig, was zum Punktabzug führt. Beim Osprey Porter (*) sind keinerlei Flaschennetze vorhanden, dafür umso mehr kleine Fächer, um viel Kleinkram zu verstauen, und natürlich ein großes Hauptfach. Beide Modelle haben gepolsterte Fächer für Laptops und Tablets.

Tragesystem:

Ein gutes Tragesystem hat angemessen gepolsterte Schultergurte, einen Brustgurt, der in meinem Fall auch geeignet für Brüste sein soll ;), einen gepolsterten Hüftgurt, und ausreichend Einstellungsmöglichkeiten. Im Großen und Ganzen sollte der Rucksack Stabilität vermitteln und das Gewicht auf dem Körper verteilen.
Der Tatonka kann mit seinem Tragesystem überhaupt nicht überzeugen und erhält hier nur 2 von 5 Punkten. Die Schultergurte sind extrem flach und es fehlt ein Hüftgurt. Er hat keine äußeren Kompressionsriemen und keine Verbindungsriemen zwischen Schultergurten und Rucksackoberkante; dadurch „fällt“ beim Tragen die Last des Rucksacks nach hinten unten und zieht sehr unangenehm an den Schultern. Hat man nicht aufmerksam genug gepackt, kann es sein, dass Kanten des Rucksackinhalts in den Rücken drücken, da hier wenig Polsterung und Stabilität vorzufinden sind. Positiv zu erwähnen sind die verstaubaren Schultergurte.
Der Cabin Zero (*) hat im Vergleich dazu ein besseres Tragesystem und erhält 3 von 5 Punkten. Die Schultergurte sind gut gepolstert und es sind sowohl äußere Kompressionsriemen als auch Verbindungsriemen zur Rucksackoberkante vorhanden. Ein Hüftgurt ist zwar vorhanden, leider ist dieser jedoch sehr dünn und übernimmt so gut wie keine Last von den Schultern. Durch die fehlende Stabilität in der Rückwand kann es sein, dass kantige Objekte in den Rücken drücken. Positiv aufgefallen ist mir der Brustgurt, der sich sehr gut in der Höhe variabel anbringen lässt. Dies ist besonders für Menschen mit Brüsten wichtig, um eine komfortable Höhe wählen zu können 🙂
Der Osprey Farpoint (*) hat in diesem Test das mit Abstand überzeugendste Tragesystem und erhält verdiente 5 von 5 Punkten. Die Schultergurte sind optimal gepolstert, das Rückenteil ist gut gepolstert und (durch einen eingenähten Alurahmen) stabil und ermöglicht zugleich eine angemessene Belüftung. Das gesamte Tragesystem verschwindet hinter einer unauffälligen Lasche. Sogar die Handgriffe sind gepolstert. Auch der Brustgurt lässt sich gut einstellen (und hat sogar noch eine Pfeife integriert, interessant).
Das Tragesystem des Osprey Porter ist leider enttäuschend. Im Gegensatz zu seinem Bruder ist die Polsterung rund um Rücken und Schultern wesentlich schlechter; der Hüftgurt ist sogar so „mickrig“, dass er kaum Gewicht von den Schultern nimmt. Der „schildkrötige“, globige Aufbau tragen dazu bei, dass der bepackte Rucksack nicht angenehm zu packen und zu tragen ist. Zwei absolute K.O.-Kriterien für mich sind der unkomfortable Sitz am Rücken und der schlechte Brustgurt, der für Menschen mit Brüsten absolut ungeeignet ist. Deshalb erhält er nur 3 von 5 Punkten.

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Handgepäcktauglichkeit:

Geeignete Handgepäckrucksäcke sollten die gängigen Maße für zugelassenes Handgepäck einhalten. Des Weiteren werden vorhandene Kompressionsriemen und verstaubare Gurte positiv bewertet, da sie das Handling im Flughafen und Flugzeug erleichtern.
Bei den Maßen und Formen können wir zwei Lager erkennen: Sowohl der Tatonka als auch der Cabin Zero (*) haben eine geradlinige, rechteckige Form und sind auch im vollgepackten Zustand sehr gut als Handgepäck geeignet. Der Cabin Zero hat praktische Kompressionsriemen seitlich außen, die den Inhalt sichern können. Außerdem wird der obere Bereich des Rucksack durch Riemen mit den Schultergurten verbunden, was zusätzlich das Tragen des Rucksacks angenehmer macht. Allerdings sind die Gurte nicht verstaubar. Durch sein unglaubliches Volumen wird er in dieser Kategorie mit 5 von 5 Punkten bewertet.
Beim Tatonka ist vieles genau umgekehrt: er hat keine äußeren Kompressionsriemen (nur schmale im Innenfach) und keine Verbindungsriemen zwischen Rucksackoberkante und Schultergurte. Dadurch „fällt“ beim Tragen die Last des Rucksacks nach hinten unten und zieht sehr unangenehm an den Schultern. Die Schultergurte lassen sich verstauen, was positiv zu bewerten ist. Da er die vorgegebenen Handgepäckmaße so gut ausnutzt, erhält er in dieser Kategorie 4 von 5 Punkten.
Die beiden Osprey-Modelle sind komplett anders aufgebaut und geformt und erinnern mehr an Trekking- und runde Reise-Rucksäcke. Bezüglich ihrer Maße sind sie mit Vorsicht als Handgepäck zu genießen: sie sollten nicht zu voll gepackt werden, um noch bei den meisten Airlines als Handgepäck durchzugehen. Der Osprey Farpoint 40 (*) ist mit seiner nach unten verjüngten Form besonders auch als Trekking-Rucksack geeignet, da sich dieser Aufbau positiv auf die Gewichtsverteilung auswirkt. Möchte man ihn jedoch als Handgepäck mit ins Flugzeug nehmen, sollte man ihn im oberen Bereich nicht zu voll packen, um nicht die gesamten 37 cm auszureizen. Der Osprey Porter 46 (*) ist nicht nur in der Tiefe, sondern auch in der Höhe ein paar Centimeter größer geraten, deshalb ist es sehr empfehlenswert, sich vor dem Flug über die zugelassenen Handgepäckmaße seiner Airline zu informieren. Tiefe lässt sich leichter reduzieren durch Umpacken – die Höhe des Rucksacks ist kaum zu manipulieren. Beide Osprey Modelle bieten ihre eigene Art von Kompressionsriemen, sowohl außen als auch innen. Ihre Tragesysteme sind komplett verstaubar. In dieser Kategorie wird der Farpoint (*) mit 4 Punkten, der Porter mit 3 Punkten bewertet.

Endergebnis:

Der Tatonka Flight Barrel erhält 11 von 20 Punkten. Er hat gute Maße, die sich bestens allen gängigen Handgepäckbestimmungen unterwerfen. Das Hauptfach ist voluminös und gut zugänglich und das flache Außenfach bietet schnellen Zugriff auf Dokumente. Leider ist er nicht angenehm zu tragen und daher nur für kurze Zeit stressfrei zu transportieren.
Der Cabin Zero (*) Military 44 L erhält 15 von 20 Punkten. Er ist eine günstigere Alternative zum Tatonka und bietet ein besseres Tragesystem, das sich allerdings nicht verstauen lässt. Er ist geradlinig und simpel strukturiert und nutzt die zulässigen Handgepäckmaße optimal aus.
Der Osprey Porter 46 (*) ist ein durchaus vielseitiger Rucksack, der mit relativ funktionalem Aufbau und einer Vielzahl von Taschen auftrumpft. Leider ist er für das Handgepäck (im Flugzeug) ein paar Centimeter zu groß geraten und sein Tragesystem überzeugt nicht. Auch der „globige“ Aufbau fällt negativ auf. Er bekommt in der Gesamtwertung 14 von 20 Punkten.
Der Osprey Farpoint 40 (*) geht mit 18 von 20 Punkten als eindeutiger Sieger aus diesem Test hervor. Er überzeugt mit Qualität, Funktionalität und einem sehr komfortablen Tragesystem, das selbst schwere Lasten optimal auf Schultern und Hüfte verteilt. Kleine Abzüge gab es für die nicht optimalen Flaschennetze und die leicht zu großzügigen Tiefenmaße. Er ist so vielseitig, dass ich ihn mir als Alltagsersatz für meinen Deuter Futura 38 (*) vorstellen kann, den ich ansonsten für sportliche Nachmittage und Lebensmitteleinkäufe verwende. Auch für geschäftliche Anlässe, wenn ich zum Beispiel meinen Laptop mitnehmen möchte, scheint er mir ein geeigneter Ersatz zu sein. Eigentlich habe ich ja „nur“ einen neuen Handgepäckrucksack gesucht, aber mit dem Osprey Farpoint 40 habe ich so viel mehr gefunden. Ich freue mich richtig darauf, ihn im Alltag einzusetzen.


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