Insulin: Funktion, Diabetes, Abnehmen [Forschung]

Insulin spielt sowohl bei Diabetes, als auch beim Abnehmen und dem Muskelaufbau eine Rolle. Leider sind viele Fakten unbekannt, was für Diabetiker und Angehörige verheerende Auswirkungen haben kann!

Insulin wirkt….

…auf Kohlenhydrate: es hilft dabei, Zucker aus dem Blut in die Zellen zu bringen, sodass er dort als Treibstoff verwendet werden kann und keine gespeicherten Kohlenhydrate, z.B. in Form von Glykogen im Muskel, verbraucht werden müssen.

…auf Proteine: Aminosäuren sind die Bausteine der Proteine. Auch sie werden durch die Insulinwirkung aus dem Blut in die Zellen befördert und fördern dort die Proteinsynthese.

…auf Fett: die Ausschüttung von Insulin führt zu vermehrter Fettspeicherung und weniger Fettabbau.

Die Insulinausschüttung wird klassischer Weise durch den GI (glycemic index) und den GL (glycemic load) vorausgesagt – anhand der Kohlenhydratmenge eines Produktes wird hier die wahrscheinliche Insulinausschüttung berechnet. Dieses Konzept geht aber nicht immer auf! Zum Beispiel gibt es viele Produkte, die keinerlei (und so gut wie keinerlei) Kohlenhydrate aufweisen und trotzdem zu einer ordentlichen Erhöhung des Blutinsulinspiegels führen. Dazu zählen Eier, Fleisch, Fisch, Käse und andere Milchprodukte. Zum Beispiel führt eine Portion Steak zu einer höheren Insulinausschüttung im Vergleich zur gleichen Menge (in Kalorien gemessen) an Banane (Holt et al., 1997). Eine Portion Joghurt führt zu einer größeren Insulinausschüttung als dieselbe Menge an Frosties (Bao et al., 2011)! Bei verarbeiteten Produkten ist das Ergebnis noch beeindruckender: nach einer Portion Mars ist die Insulinausschüttung doppelt so hoch wie nach der gleichen Kalorienmenge an braunem Reis! Dabei sind die Werte für GI und GL von Reis viel höher, d.h. Reis enthält viel mehr Kohlenhydrate – und trotzdem ist die Insulinausschüttung viel geringer.

Der Mythos, Kohlenhydrate würden Diabetes begünstigen, ist per se nicht richtig! Ganz im Gegenteil: viele Studien haben den positiven Einfluss von vollwertigen Getreideprodukten (und anderen Stärkequellen) auf den Stoffwechsel gezeigt, sodass auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt, diese in eine ausgewogene Ernährung bei Diabetes zu integrieren. Diese Produkte sind reich an Ballaststoffen, die die Insulinsensititvät zusätzlich verbessert. Ballaststoffe finden sich ausschließlich in pflanzlichen Produkten.

Was bedeutet das für den Alltag und das Abnehmen?

Insulin ist ein sehr wichtiges Hormon, das wichtige Aufgaben in einem gesunden Organismus erfüllt. Ebenso müssen wir keine Angst vor Kohlenhydraten haben. Sie liefern uns saubere Energie, die besonders für unser Gehirn wichtig ist, da es ausschließlich auf der Basis von Kohlenhydraten läuft. Ziel ist es jedoch, unsere Ernährung so taktisch klug zusammen zu stellen, sodass nur so viel Insulin ausgeschüttet wird, wie es tatsächlich nötig ist – und das ermöglichen pflanzliche Produkte. So kanneffizient Muskelmasse aufgebaut werden (da Insulin auch die Synthese von Proteinen fördert) und gleichzeitig wird die Fettspeicherung so gering wie möglich gehalten. So kann man, entgegen vielen Erfahrungen von Bodybuildern in Massephasen, leichter Muskeln aufbauen, ohne die Fettdepots zu füllen. (Die Grundlage hierzu ist natürlich ein entsprechendes Hypertrophietraining mit adäquater Kalorienzufuhr; zusätzlich wirkt die Auswahl von vollwertigen Fettquellen und auch in Maßen unterstützend, sodass, anders als bei Öl, nicht der Gesamtamteil an Fett in den Fettzellen landet.)

Vorsicht ist auch bei Getränken wie Milchkaffee (ungezuckert), Eistee und Cola geboten: sie werden besonders gern zwischen den Mahlzeiten konsumiert, sodass sie den Körper in der „Essenspause“ unterbrechen und eine hohe Insulinausschüttung induzieren. Das vermerht die unerwünschte Fettspeicherung.

Wir befinden uns mit dieser Thematik am Rande des Wissens – ständig kommen durch die Forschung neue Ergebnisse zu Tage, die das Bild ergänzen. Jemand, der etwas anderes als das hier Präsentierte erzählt, hat das vielleicht noch nicht mitbekommen, weil er/sie es in der Ausbildung vor 10 Jahren anders gelernt hat. Genauso kann es sein, dass mein Beitrag irgendwann überholt ist!

Wer sich intensiver mit dem Thema befassen möchte findet hier die Quellen und weiterführende Literatur:

Bao, J., Jong, V. de, Atkinson, F., Petocz, P., and Brand-Miller, J.C. (2009). Food insulin index: physiologic basis for predicting insulin demand evoked by composite meals. Am J Clin Nutr 90, 986–992.
Bao, J., Atkinson, F., Petocz, P., Willett, W.C., and Brand-Miller, J.C. (2011). Prediction of postprandial glycemia and insulinemia in lean, young, healthy adults: glycemic load compared with carbohydrate content alone. Am J Clin Nutr 93, 984–996.
Barnard, N.D., Scialli, A.R., Turner-McGrievy, G., Lanou, A.J., and Glass, J. (2005). The effects of a low-fat, plant-based dietary intervention on body weight, metabolism, and insulin sensitivity. The American Journal of Medicine 118, 991–997.
Barnard, N.D., Cohen, J., Jenkins, D.J.A., Turner-McGrievy, G., Gloede, L., Jaster, B., Seidl, K., Green, A.A., and Talpers, S. (2006). A Low-Fat Vegan Diet Improves Glycemic Control and Cardiovascular Risk Factors in a Randomized Clinical Trial in Individuals With Type 2 Diabetes. Diabetes Care 29, 1777–1783.
Barnard, N.D., Cohen, J., Jenkins, D.J., Turner-McGrievy, G., Gloede, L., Green, A., and Ferdowsian, H. (2009). A low-fat vegan diet and a conventional diabetes diet in the treatment of type 2 diabetes: a randomized, controlled, 74-wk clinical trial. American Journal of Clinical Nutrition 89, 1588S – 1596S.
Biesalski, H.K., Grimm, P., and Nowitzki-Grimm, S. (2015). Taschenatlas Ernährung (Stuttgart: Thieme).
Costacou, T., and Mayer-Davis, E.J. (2003). NUTRITION AND PREVENTION OF TYPE 2 DIABETES. Annual Review of Nutrition 23, 147–170.
Holt, S.H., Miller, J.C., and Petocz, P. (1997). An insulin index of foods: the insulin demand generated by 1000-kJ portions of common foods. Am J Clin Nutr 66, 1264–1276.
Landgraf, R., Kellerer, M., Fach, E., Gallwitz, B., Hamann, A., Joost, H., Klein, H., Müller-Wieland, D., Nauck, M., Reuter, H.-, et al. (2015). Praxisempfehlungen DDG/DGIM. Diabetologie und Stoffwechsel 9, S138–S148.

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