Minimalistisch Reisen: nur mit Handgepäck!

4 Wochen durch Südamerika – nur mit Handgepäck? Geht das?

Ich habe etwas Verrücktes gemacht. Letztes Jahr, also in 2015, habe ich Felix beim Vegan Camp in Hamburg kennen gelernt. Dort haben wir uns tolle Vorträge zusammen angehört, geschlemmt und uns unterhalten. Dabei hat er von seinem Projekt berichtet als veganer, digitaler Nomade durch Südamerika zu reisen. Da habe ich natürlich sofort meine Ohren gespitzt, weil ich nach dem Abi schon mal in Ecuador war und mich sofort in das Land verliebt habe. Ich habe ihn ein bisschen zu seinen Reiseplänen ausgequetscht. Aus Spaß habe ich ihn dann gefragt, ob er nicht Lust habe auf eine nette Reisebegleitung. Und er hat ganz trocken mit ja geantwortet..! Da hat sich ein Grinsen von Ohr zu Ohr in meinem Gesicht breit gemacht 😀 Das war also der Moment, in dem ich beschlossen habe, vier Wochen mit Felix durch Perú und Ecuador zu reisen. Mir war sofort klar, dass es eine aufregende und leicht abenteuerliche Reise werden würde und dass ein großer Koffer fehl am Platz wäre. Felix hat dies bestätigt und der Entschluss, nur mit einem Rucksack in Handgepäckmaßen zu reisen, war gefasst.

Felix ist schon früher abgereist, weil seine Reise ein halbes Jahr gehen sollte. Wir haben noch so einige Male gesprochen, als er unterwegs war und er hat immer wieder bestätigt, wie wichtig es sei, mit relativ kleinem Gepäck zu reisen, um zum einen nicht unnötig Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen („Schau mal, die Touris mit ihren dicken, schweren Taschen. Die erkennt man von weitem. Die haben bestimmt teure Sachen dabei – die rauben wir aus, das wird sich lohnen!“) und zum anderen uns das Leben bei den vielen Busfahrten und in den kleinen Hostelzimmern leichter zu machen.

20160323_reisen_Flugzeug_Wolken_Flughafen_entdecken_AbschiedAls ich ein paar Wochen drauf zu Hause saß und nach Flügen recherchiert habe, wurde mir klar, auf was ich mich eingelassen hatte. Verdammt! Du musst alles mitnehmen, was du in diesen vier Wochen brauchst! Und das soll in einen Handgepäck-Rucksack passen? Das wird nichts… Die Airlines haben ja alle unterschiedliche Bestimmungen für die Handgepäckmaße, ich weiß gar nicht, welchen Rucksack ich dazu nehmen soll! Na gut. Tief durchatmen und erstmal den Flug buchen. Dann bei der Airline erkundigen, wie groß mein Handgepäck sein darf und welche Rucksäcke dafür in Frage kommen – und siehe da: es war gar nicht so schlimm wie gedacht, die Maße waren nicht zu klein und die Rucksackauswahl war groß. Ich habe mich nach langer Recherche für den Tatonka Flight Barrel* mit 35 Litern entschieden. Er hat mir treue Dienste geleistet, jedoch würde ich heute einen anderen wählen. Mehr dazu in meinem Artikel zur Packliste.

Felix stand mir glücklicherweise zur Seite als es um das konkrete Packen ging. Er hat mir vor allem Tipps gegeben, welche Klamotten ich brauchen würde. Unsere Reiseroute war nämlich sehr vielfältig, sodass wir für fast alles gerüstet sein mussten – von heißem Strandwetter bis zu kühl-feuchtem Klima in den Bergen des Amazonas. Der ganze Kleinkram wie Körperpflege, Elektronik etc. darf natürlich auch nicht fehlen. Felix hat mir klar gemacht, dass wir alles, was wir EVENTUELL brauchen könnten, es vor Ort kaufen sollten, wenn es das vor Ort gibt. Ein Beispiel bei mir war Anti-Mückencreme. Andere Dinge würde es wahrscheinlich nicht vor Ort geben, wie meine geliebte Sheabutter*. Diese Sachen sollte ich besser mitnehmen, wenn sie wirklich wichtig sind.

20160323_reisen_flugzeug von innen_viele Menschen_tourismus_massen_welt_entdeckenDie Wochen bis zur Abreise gingen gefühlt in null-komma-nichts rum. Und schon stand ich mit meinem Handgepäck-Rucksack morgens um 4.30 Uhr auf der Straße und habe auf meinen Bus zum Flughafen Berlin gewartet. Schon hier wurde mir klar, dass ich mir das Leben leicht mache, indem ich nur diesen Rucksack anstatt eines großen schweren Koffers dabei habe. Fix in den Bus rein gehüpft und irgend einen freien Platz gesucht (es war um diese Uhrzeit erstaunlich viel los!). Am Flughafen angekommen bin ich dank Online-Check In (kein Schlangestehen, keinen Koffer dabei, den man aufgeben muss!) sofort zur Sicherheitskontrolle gegangen, habe meinen kleinen Beutel mit Flüssigkeiten rausgeholt (auch dazu mehr im Artikel zur Packliste), bin durch die Kontrolle durch und weiter zum Gate. Dort habe ich den Kleinkram aus meinem Rucksack rausgeholt, den ich wahrscheinlich auf dem Flug brauchen würde, sodass ich den Rucksack im Überkopffach verstauen kann. Und dann ging die lange Reise los.

Nach zwei Flügen, einem Umstieg, viel Flugzeugessen und Flugzeugtoiletten und 20 h auf den Beinen (oder wohl eher auf meinem Hintern, der fast schon taub war) war ich endlich da. In Lima, Perú, am Flughafen angekommen, war ich sehr, sehr froh, dass ich nur mein Handgepäck dabei hatte: ich musste nicht wie der Rest der 425 Passagiere am Kofferband anstehen und auf mein Gepäck warten, sondern konnte bequem daran vorbei gehen :) Nach so einer langen Reise war ich über jeden Nerv froh, den ich sparen konnte. Netterweise hatte mir Felix ein Taxi zum Flughafen geschickt, das mich abholen sollte. Das hat mich dann ins Hostel gebracht – wo ich nur noch ins Bett wollte.

Die nächsten 4 Wochen waren geprägt von Sonne, atemberaubender Natur, Früchten, Reis, trockenen Städten und feuchtem Regenwald. So eine abwechslungsreiche Reise habe ich noch nie erlebt! Die vielen bunten Orte haben wir mit den landestypischen Reisebussen über Nacht erreicht. Die Busstationen konnten wir immer mit dem Bus oder minikleinen Taxis erreichen, in die wir einfach reinhüpfen konnten, ohne erst einen schweren Koffer in den Kofferraum legen zu müssen – was zu einem noch größeren Hupkonzert geführt hätte, wenn wir den ganzen Verkehr aufgehalten hätten. Die Unterkünfte haben Felix‘ Aussage ebenfalls bestätigt, dass es viel sinnvoller ist, mit leichtem Gepäck zu reisen, da in den kleinen Zimmern einfach kein Platz für großes Gepäck ist. Da wir alle 3 Tage wo anders hingefahren sind, war ich über jedes Kilo, das ich weniger herumschleppen musste, sehr dankbar. Wäsche waschen ist auf so einer langen Reise sowieso öfter nötig und da verzichte ich lieber auf 5 kg extra Gepäck und wasche meine Socken 2 mal mehr 😉

Fazit

Ich war so erstaunt, dass ich auf der ganzen Reise nie das Gefühl hatte, etwas zu Hause vergessen zu haben! Anti-Mückencreme habe ich im feucht-tropischen Montañita, Ecudaor, wie die Einheimischen einfach vor Ort gekauft – ich glaube, die Mosquitos hätten sich auch über mein deutsches Mückenspray kaputt gelacht 😀 Ansonsten war ich für jeden Fall gerüstet, habe nicht gefroren oder unnötig geschwitzt, mich auch nicht gelangweilt oder auf irgendeinen Spaß verzichtet. Und darum geht es mir persönlich auch bei so einer abenteuerlichen Reise: ich möchte die Zeit meines Lebens verbringen und nicht mich kaputt schlepppen mit Sachen, die ich eh nicht brauche. Diese reise war meine erste mit Handgepäck und es wird nicht die letzte gewesen sein :)


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